EU AI Act: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

Der EU AI Act setzt erstmals klare Regeln für Künstliche Intelligenz in Europa. Erfahre, welche KI-Systeme betroffen sind, welche Pflichten Unternehmen haben und wie du dich vorbereiten kannst.

18.3.2025
Lesezeit:
10 Minuten

Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsalltag – von automatisierten Prozessen bis hin zu KI-gestützten Entscheidungen. Doch während Unternehmen von diesen Innovationen profitieren, wachsen auch Unsicherheiten: Welche KI-Systeme sind erlaubt? Welche Risiken müssen beachtet werden? Und wie stellt man sicher, dass KI den eigenen Geschäftserfolg unterstützt, ohne rechtliche Probleme zu verursachen? Mit dem EU AI Act schafft die Europäische Union erstmals klare Regeln für den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dieser Artikel erklärt, was das für Unternehmen bedeutet und wie sie sich darauf vorbereiten können.

Was ist der EU AI Act?

Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende Gesetzgebung zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Das Ziel ist es, den Einsatz von KI innerhalb der EU sicherer und transparenter zu machen und gleichzeitig Innovationen zu fördern. Der Gesetzesentwurf wurde erstmals 2021 von der Europäischen Kommission vorgestellt und nach intensiven Verhandlungen im Jahr 2024 verabschiedet.

Die Regulierung basiert auf einem risikobasierten Ansatz, der verschiedene KI-Anwendungen je nach Gefährdungspotenzial in unterschiedliche Kategorien einteilt. Je höher das Risiko einer Technologie eingestuft wird, desto strengere Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen. Damit soll verhindert werden, dass KI-Systeme Menschenrechte verletzen oder unkontrollierbare Risiken entstehen.

Warum braucht es eine Regulierung für Künstliche Intelligenz?

Der Einsatz von KI ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits fester Bestandteil vieler Geschäftsprozesse. Unternehmen nutzen intelligente Algorithmen zur Datenanalyse, für automatisierte Kundeninteraktionen oder im Personalmanagement. Doch mit der steigenden Verbreitung wachsen auch die Herausforderungen.

Ein zentrales Problem ist die mangelnde Transparenz vieler KI-Systeme. Oft ist nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage Algorithmen Entscheidungen treffen. Dies kann zu unfairen oder diskriminierenden Ergebnissen führen, etwa wenn ein KI-gestütztes Bewerbungsprogramm bestimmte Personengruppen systematisch benachteiligt. Zudem besteht das Risiko, dass KI-Technologien für unerwünschte Überwachungsmaßnahmen oder manipulative Zwecke genutzt werden.

Der EU AI Act setzt genau hier an und schafft klare Regeln für den ethischen und verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Der risikobasierte Ansatz des EU AI Acts

Der EU AI Act unterscheidet zwischen vier Risikostufen, um den Einsatz von KI gezielt zu regulieren.

Darstellung der 4 Risikostufen von KI

1. Unvertretbares Risiko – Verbotene KI-Anwendungen

Bestimmte KI-Systeme sind laut EU AI Act grundsätzlich verboten, da sie als gefährlich für Grundrechte und Sicherheit gelten. Dazu gehören:

  • KI-Systeme zur Massenüberwachung ohne klare Rechtsgrundlage
  • Emotionserkennungssysteme am Arbeitsplatz oder in Schulen
  • Sozialpunktesysteme, die Menschen basierend auf Verhalten bewerten

2. Hohes Risiko – Strenge Anforderungen

KI-Anwendungen mit potenziell weitreichenden Auswirkungen unterliegen strengen Auflagen. Dazu gehören:

  • KI-Systeme in der Personalrekrutierung
  • KI-gestützte medizinische Diagnosen
  • Autonome Fahrzeuge oder KI in der kritischen Infrastruktur

Diese Systeme müssen umfangreiche Sicherheitsprüfungen durchlaufen, eine technische Dokumentation vorweisen und strenge Transparenzanforderungen erfüllen.

3. Begrenztes Risiko – Transparenzpflichten

KI-Anwendungen, die mit Menschen interagieren, müssen Nutzer darüber informieren, dass sie mit einer KI kommunizieren. Dies betrifft zum Beispiel:

  • Chatbots im Kundenservice
  • KI-gestützte Übersetzungsdienste

4. Minimales oder kein Risiko

Die meisten KI-Anwendungen fallen in diese Kategorie, beispielsweise Spam-Filter, KI-gestützte Textverarbeitung oder intelligente Suchalgorithmen.

Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen?

Besonders für Unternehmen, die Hochrisiko-KI einsetzen oder entwickeln, bringt der EU AI Act weitreichende Verpflichtungen mit sich. Sie müssen sicherstellen, dass ihre KI-Systeme zuverlässig arbeiten, transparente Entscheidungsprozesse haben und von Menschen überwacht werden.

Unternehmen, die Hochrisiko-KI-Systeme entwickeln oder einsetzen, müssen sich an vier klare Vorschriften halten:

  1. Datenqualität: Verwendete Trainingsdaten müssen frei von Verzerrungen sein.
  2. Transparenz: Unternehmen müssen offenlegen, wie ihre KI funktioniert.
  3. Überwachung: Hochrisiko-KI muss durch Menschen kontrolliert werden.
  4. Sicherheitstests: Vor dem Einsatz müssen umfangreiche Tests durchgeführt werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Vorschriften ist die Datenqualität. Unternehmen müssen nachweisen, dass die Trainingsdaten ihrer KI-Systeme frei von Verzerrungen sind und keine diskriminierenden Muster enthalten. Dies erfordert eine genaue Analyse der verwendeten Datensätze und regelmäßige Tests zur Überprüfung der Systemleistung.

Zudem wird eine technische Dokumentation gefordert, die nachvollziehbar macht, wie eine KI zu ihren Entscheidungen kommt. Unternehmen müssen umfassende Berichte erstellen und Prüfverfahren einführen, um sicherzustellen, dass die Technologie den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die menschliche Aufsicht. Hochrisiko-KI darf nicht vollkommen autonom agieren, sondern muss durch qualifizierte Personen überwacht werden. Dies soll verhindern, dass fehlerhafte oder manipulative Entscheidungen getroffen werden.

“We want Europe to be one of the leading AI continents, and this means embracing a way of life where AI is everywhere." ⁓ Ursula von der Leyen
(The Artificial Intelligence (AI) Action Summit in Paris 2025)

Welche Sanktionen drohen bei Verstößen?

Die Nichteinhaltung des EU AI Acts kann für Unternehmen teuer werden. Ähnlich wie bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sieht das Gesetz empfindliche Strafen vor. Bei schwerwiegenden Verstößen können Geldbußen von bis zu 30 Millionen Euro oder 6 % des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden.

Neben finanziellen Sanktionen drohen auch Einschränkungen beim Marktzugang. Unternehmen, die sich nicht an die Vorschriften halten, könnten daran gehindert werden, ihre KI-Systeme innerhalb der EU anzubieten oder zu betreiben.

Wie können sich Unternehmen vorbereiten?

Um auf die neuen Vorschriften vorbereitet zu sein, sollten Unternehmen frühzeitig Maßnahmen ergreifen. Hierzu haben gibt es eine Step-by-Step Liste die Orientierung schaffen soll:

  • KI-Strategie anpassen: Welche Anwendungen fallen unter den EU AI Act?
  • Risikoanalyse durchführen: Welche Systeme müssen geprüft werden?
  • Mitarbeiter schulen: Verständnis für KI-Regulierung im Unternehmen fördern.
  • Interne Prozesse optimieren: Dokumentation, Transparenz und ethische KI-Nutzung sicherstellen.

Über den folgenden Link können Unternehmen ihre KI-Tools auf Anforderungen prüfen: EU-Compliance Check

Zum ersten Schritt gehört zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme: Welche KI-Technologien sind bereits im Einsatz, und fallen sie unter die neuen Regulierungsvorgaben?

Anschließend sollten Unternehmen ihre internen Prozesse anpassen. Dazu gehört die Einführung von Mechanismen zur Transparenz und Nachvollziehbarkeit, etwa durch regelmäßige Tests und Audits. Zudem sollten Schulungen angeboten werden, um Mitarbeiter mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen.

Für Unternehmen, die KI-Anwendungen entwickeln, lohnt es sich, mit Experten für KI-Compliance zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass alle Vorschriften eingehalten werden.

Hier nochmal ein Video, welches den Artikel und den EU AI Act sehr gut zusammenfasst:

Fazit: Warum der EU AI Act wichtig ist

Der EU AI Act ist ein wegweisendes Gesetz, das den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der EU grundlegend verändern wird. Unternehmen müssen sich auf neue Anforderungen einstellen, profitieren langfristig aber von mehr Rechtssicherheit und Vertrauen in ihre KI-Systeme.

Wer sich frühzeitig mit den neuen Vorschriften auseinandersetzt, kann Risiken minimieren und sich Wettbewerbsvorteile sichern. Denn eines ist klar: KI wird weiterhin eine Schlüsseltechnologie bleiben – und Unternehmen, die verantwortungsbewusst damit umgehen, werden langfristig erfolgreicher sein.

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